Brive-la-Gaillarde

Reise nach Brive-la-Gaillarde, 12 – 17. September 2004

Die Fahrt am Sonntag (12.09.04) nach Brive-la-Gaillarde erfolgte über Heilbronn (Weibertreu) – Mannheim – Karlsruhe – Baden-Baden (Rast, Autobahnkirche) – Mulhouse – Besancon – Chalon-sur-Sâone. – Beaune (Rast). Weiter über Bundesstraßen (Route Nationale N145: Montluçon – Gouzon – Guéret – la Souterraine) und die A20 nach Limoges und Brive-la-Gaillarde.
Bei der Überlandfahrt sind besonders die vielen weißen Rinder aufgefallen. Die Charollais haben ein besonders gutes und in Frankreich sehr beliebtes Fleisch, geben dafür aber weniger Milch. Ungeklärt blieb die Frage, warum jeweils alle Rinder in der selben Richtung stehen und grasen. Gibt es eine Leitkuh nach der sich alle ausrichten oder liegt es am Sonnenstand, am Wind, an Erdströmen, … . Wenn jemand eine gesicherte Antwort kennt, bekommt er bestimmt ein Buch von unserem Reiseleiter, Herrn Brandmüller.

Collonges-la-Rouge war die Sommerresidenz der Beamten des Burggrafen von Turenne. Der rote Sandstein (eisenhaltig) kommt aus der Umgebung des Ortes. Das Relief über dem Kircheneingang ist aus dem 16. Jahrhundert und war 400 Jahre eingemauert. So überstand es unbeschadet die Religionskriege.

Die nächste Station war Turenne.
Die Burggrafen von Turenne hatten einen eigenen kleinen Staat im damaligen Frankreich mit eigenem Steuerrecht. Als sie dem König nicht mehr seinen Anteil entrichten konnten, ließ er das Schloß von Turenne „schleifen“, damit nie wieder ein Turenne die Macht ergreifen kann.

Die letzte Aktion am Vormittag war ein kurzer Rundgang in Brive-la-Gaillarde (von den Tiefgaragen vor dem Hotel Quercy bis zum Hôtel de Ville). Hôtel ist allgemein ein „Großes Bauwerk“. So sind wir täglich auch am „Hôtel la Police“ vorbeigelaufen.

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Am Nachmittag ging die Fahrt ins Tal der Vezere und weiter ins Tal der Dordonge.
Das ganze Tal der Vezere zählt zum Weltkulturerbe wegen der vielen frühgeschichtlichen Funde und den 17000 Jahre alten Höhlenmalereien in Lascaux. In Les Eyzies blieb jedoch keine Zeit zur Besichtigung des frühgeschichtlichen Museums (neu eröffnet). Am Wegrand waren auch viele Walnussbäume zu sehen, die hier landwirtschaftlich angebaut werden. Viele Schilder verweisen auch auf die „Foie Gras“, die Fettleber. Enten und Gänse werden speziell gefüttert, damit sich die Leber fettreich entwickelt. Aber die Bauern beschweren sich bereits über die billige Konkurenz aus Polen und Ungarn.
Burgen und Schlösser gibt es hier viele. Die Dordogne galt als Hauptkampflinie im 100-jährigen Krieg zwischen Frankreich und England. So erzählt die Geschichte von Beynac (hoch über dem Ort liegend), dass das als uneinnehmbar geltende Schloss von dem jungen Richard Löwenherz mit nur wenigen Getreuen eingenommen wurde, indem der beschwerliche Weg senkrecht die Felswand hinauf erklommen wurde.

Der Blick von Domme ins Tal der Dordogne.
Das katholische Domme galt ebenfalls von der Flussseite her als uneinnehmbar. Dennoch gelang den Hugenotten von der Flussseite her ein erfolgreicher Angriff. Domme wurde 10 Jahre besetzt gehalten und erst gegen ein hohes Lösegeld wieder befreit.

In einem der vielen Schlösser hat auch Josephine Baker gewohnt und ein Heim für Waisenkinder eingerichtet. Ihr Vermögen ist dabei verbraucht worden.

Die Fahrt führte uns weiter nach Sarlat, ein altes Handels- und Handwerkerzentrum des Mittelalters. Nach dem 100-jährigen Krieg war der Ort zerstört. Die Entwicklung des Ortes ist zu dieser Zeit stehengeblieben. Als man sich in Frankreich auf das kulturelle Erbe zurückbesann, war Sarlat einer der ersten Orte, die saniert wurden. So entstanden schöne Fassaden mit teilweise gotischen, Rennaiance und Barockelementen in einem Haus, aber innerlich blieben die Gebäude unsaniert. Die Folge ist, dass die Häuser kaum bewohnt sind. Frage: wieviele Einwohner hat der Ort? –> Weniger als man glaubt (9900).

Die Kathedrale – „Sankt Sacerdos“ – ist eine Bendiktinerabtei, die ebenfalls romanische Elemente aus dem 12. Jh. sowie auch gotische Elemente aus dem 14. bis 17 Jh. und den zwiebelförmigen Glockenturm aus dem 18. Jh. besitzt.

Die Rückfahrt am Nachmittag erfolgte durch das Perigord Noir. Der Name geht auf die dunklen Eichenwälder zurück.
Am nächsten Tag ging die Fahrt ins malerische Segur. Das ist ebenfalls ein bereits fast vollständig ausgestorbener mittelalterlicher Ort.

Eine kurze Zwischenstation gab es bei der alten romanische Abteikirche in Arnac.

Dann ging es weiter zum Schloß der Frau Poisson – pardon, Pompadur. Als Mätresse (http://www.dicdata.de/ liefert hier folgendes: maîtresse (Substantiv, Femininum): Expertin, Frau Rechtsanwältin, Gebieterin, Geliebte, Herrin, Lehrerin, Mätresse, Meisterin, Volksschullehrerin) des Sonnenkönigs Ludwig dem 15. hat sie das verwaiste Gut als Dank für ihre Liebes- und sonstigen Dienste erhalten. Nach Auskunft unserer Führerin „Solagne“ ist es nicht verbürgt, dass sie selbst jemals auf dem Schloss war (höchstens ein mal). Aber der Spruch „Nach mir die Sintflut“ soll von ihr stammen. Ein großer Teil des Schlosses brannte ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Das heute sichtbare Dach wurde im 18. Jh. nachträglich aufgesetzt. Das Schloss beherbergt heute die Direktion und Verwaltung für das staatliche Gestüt Pompadur.

Der Dienstag (14.09) Nachmittag führte uns wieder durch das Tal der Vezere, aber diesmal nach Montignac mit der 1944 entdeckten Höhle von Lascaux (Bilder habe ich nur aus dem Prospekt, dafür eine DVD zu ansehen; wer will, kann ja vorbeikommen zum Ansehen).

Lascaux ist für Besucher gesperrt, um die wertvollen Originale vor dem Verfall zu schützen. Dafür gibt es Lascaux II als Nachbau, der in den wesentlichen Teilen weniger als 5mm vom Original abweichen soll. Da der Nachbau aus Beton ist, ist auch bei den hohen Besucherzahlen keine Beschädigung zu erwarten. Allerdings werden alle paar Jahre die verblassenden Farben mit Originaltechniken nachgemalt, damit die Leuchtkraft nicht verloren geht. Das musste mit den 17000 Jahre alten Originalen nicht gemacht werden.

Im Schloss Hautefort wollten wir uns den typischen französischen Garten ansehen, aber die Abstimmung im Bus ergab ein anderes Ergebnis. So haben wir eben mit der Kuhweide vorlieb genommen.

Der Ort St. Robert mit seiner romanischen Kirche hat ebenfalls eine partnerschaftliche Beziehung zu Mittelfranken: welcher Ort war das nochmal?

Am Mittwoch (15.09.04) führte uns die Fahrt zum berühmtesten Wallfartsort im Mittelalter, Rocamadour. Angeblich wurde dort eine völlig unversehrte Leiche gefunden, von der die Legende Zachäus, den Ehegatten der heiligen Veronika sah. Weitere interessante Infos über Rocamadour sind hier http://www.frankreich-sued.de/rocamadour-server/historie.htm und hier http://www.villes-sanctuaires.com/allemagne/rocamadour_histoire.htm oder sonstwo über Google zu finden. Allerdings findet man dabei nicht immer identische Aussagen, wie öfters im Internet.

Für den Busfahrer war die Anfahrt eine große Herausforderung, die er aber sicher bewältigte. Am Ortseingang war für den Bus jedoch Schluß und er musste umdrehen. Der Ort ist an den Felsen hochgebaut und die Kirche mit dem Grab ist nur über mehr als 200 Stufen (oder den Aufzug) zu erreichen. Insgesamt sind sieben Kirchen ineinander verschachtelt und direkt in den Felshang gebaut. In einer der Kirchen ist eine Skulptur der schwarzen Madonna aufgestellt, die „Notre Dame de Rocamadour“.

Der nächste Weg führte uns dann zu einer großen Höhle, dem Schlund von Padirac. Die Höhle hat einen unterirdischen Wasserlauf 103 m unter der Erde, der später in die Dordogne mündet. Den Flußlauf haben der Gerhard und ich bereits vor 35 Jahren befahren (damals noch Holzboote). Heute sind es unsinkbare Aluminiumboote. Allerdings hat man vorsichtshalber doch Sicherheitsleinen an den tieferen Stellen des Flusses angebracht (der Fluss ist zwischen 0,5 und 6 m tief). Die Wassertemperatur ist ganzjährig 10°C und die Lufttemperatur jeweils 13°C. Wenn es stimmt, dass die Stalaktitien alle 100 Jahre 3cm wachsen, dann sind sie seit unserem letzten Besuch immerhin schon 1cm länger geworden. Die Legende über die Entstehung der Grotte ist auf französisch nachzulesen. Wer eine Übersetzung anfertigen kann, möge mir eine Email mit dem Text zusenden.

Das Mittagessen mit 5 Gängen gab es im malerischen Loubressac. Die Gänge hatten folgende Reihenfolge: 1. Fischsuppe, 2. Geflügelmagen mit Salat (man sollte alles erst einmal probieren, bevor man sagt sowas esse ich nicht), 3. Kalbsbraten, 4. Desert, 5. Drei verschiedene Käsesorten, dazu Weißbrot, Rosewein und zum Abschluß einen extra guten Cahors sowie Kaffe.

Die nächste Station war Beaulieu an der Dordogne mit seiner romanischen Abteikirche. Nach einer Zwischenstation am Aussichtspunkt Roche de Vic ging es noch zur Besichtigung der Zisterzienserabtei nach Aubazine.

Am Donnerstag (16.09.04) ging die Fahrt nach Souillac. Dort ist eine von 5 noch erhaltenen Kuppelkirchen zu besichtigen. Von der Säule mit der Opferdarstellung des Isaac habe ich einige in der Kirche ausliegende SW-Fotos erworben. SW wirkt authentischer.
Übrigens gibt es in der Umgebung von Brive viele Orte mit der Endung -ac (Arnac, Auoillac, Allassac, Ussac, …). Das -ac deutet darauf hin, dass es im Ort Wasser gibt, was im Mittelalter natürlich besonders wichtig war (ac = Aqua???).

Der letzte Ausflug führte uns dann nach Martel, ein mittelalterlicher Ort mit sieben Türmen.

Am letzten Abend im Restaurant gab es natürlich wieder ein besonders Menü. Als Vorspeise gab es die bekannten Hühnermägen, die nicht von allen Teilnehmern mit Begeisterung verzehrt wurden. Als Hauptgericht stand Lammkeule (Gigot) auf dem Speiseplan. Doch wie sollte es zubereitet sein? Auf den Punkt (à point) oder doch fränkisch durch (cuit). Oder lieber doch „englisch“ wie es die Franzosen lieben (saignant). Als Dessert wurde flambiertes Eis mit Bisquit und Baissee serviert. Bon Appetit 😉

Die Rückreise am 17.09.04 begann pünktlich um 7:30Uhr. Unsere freundlichen Gastgeber(innen) haben uns am Hotel in aller Frühe verabschiedet. Die Morgenstunden brachten ein faszinierendes Spiel mit der Sonne und den aufsteigenden Nebelschwaden. Da der Bus natürlich nicht anhalten konnte, mussten die Bilder durch die Scheibe und dem fahrenden Bus gemacht werden. Trotzdem wird die Stimmung doch entsprechend wiedergegeben.

Kurz vor Clermont-Ferrand war noch der bekannteste Vulkan, der „Puy de Dome“ zu sehen. Der Zeitplan für die Rückreise ließ aber keinen Stop zum Fotografieren zu, so musste auch dieses Bild aus dem fahrenden Bus gemacht werden.

Die Reiseleitung hat natürlich auch viel zur Geschichte Farankreichs erzählt. Das will ich hier nicht alles wiedergeben. Dazu gibt es im Internet aber genügend Seiten, auf denen das nachgelesen werden kann. Eine gute Übersicht findet sich auf der Frankreich-Experten-Seite http://www.frankreich-experte.de/. Unter dem Punkt xx.yy ist die Aufteilung des Reichs Karls des Großen unter seine drei Enkel beschrieben, die als das Gründungsdatum Frankreichs angesehen wird. Was die „Franken“ zur Gründung Frankreichs beigetragen haben, kann man unter dem Punkt xx nachlesen http://www.frankreich-experte.de/. Dann gibt es natürlich auch noch die Buchempfehlung unserer Reiseleitung über die „Königin der Troubatoure“ (Eleonore von Aquitanien); von Regine Pernoud, ISBN 3-423-30042-b.